Hortus conclusus/apertus 02.10.2009

BALMORAL MELDET

Hortus conclusus/apertus
Laura Bruce, Jane Cheadle, Jáchym Fleig, Björn Franke,
Brigitte Mahlknecht, Christina Nägele, Frédéric Sanchez, Lieke Snellen
Freitag, 2. Oktober 2009 um 19.30 Uhr
im Künstlerhaus Schloß Balmoral, Villenpromenade 11, 56130 Bad Ems

Sieben internationale Künstlerinnen und Künstler und eine Kuratorin, die die Jury im Jahr 2008 unter den zahlreichen Bewerbern für ein Anwesenheitsstipendium in Balmoral ausgesucht hat, zeigen Werke, die sie während ihres Stipendiums entwickelt haben.

Die Ausstellung wird von Doris Ahnen, Ministerin für Wissenschaft, Bildung, Jugend und Kultur in Mainz, eröffnet, die zuvor, erstmals im Künstlerhaus Schloß Balmoral, die Sitzung des Kuratoriums der Stiftung Rheinland-Pfalz für Kultur leitet. In die Werke der Stipendiatinnen und Stipendiaten wird die Leiterin des Künstlerhaues Frau Dr. Perrier einführen Um 21.30 Uhr wird die Post-pop Country-Gruppe Dangerpony, deren Sängerin niemand anderes ist als die Stipendiaten Laura Bruce ist, einen musikalischen Akzent setzen.

Der Titel Hortus conclusus/apertus bezieht sich auf die Situation der Künstlerinnen und Künstler, die ihr Stipendium im Künstlerhaus Schloß Balmoral in einer historisch bedeutenden Stadt mit ihrer romantischen Landschaft verbringen, abseits des Lärms der Großstadt. Das Künstlerhaus Schloß Balmoral hat etwas Paradiesisches, das an mittelalterliche Darstellungen von Paradiesgärten erinnert. Hier wird den Künstlerinnen und Künstlern die Ruhe geboten, die sie benötigen, um sich ganz ihrem Werk zu widmen, weit weg von alltäglichen Sorgen. Dies erlaubt ihnen, sich auf ihre künstlerischen Ziele zu konzentrieren und Experimente zu wagen, die sich oft als richtungsweisend für die Entwicklung neuer Werke entpuppen.

Um die Durchlässigkeit zwischen Innen und Außen zu gewährleisten, muss die Gartentüre offen bleiben. Denn nur so können Eindrücke und Erfahrungen die Kreativität beflügeln. Auf gewisse Weise bedingen sich im Zuge des Produktionsprozesses Ruhe und Dynamik gegenseitig.

Für ihre gemeinsame Präsentation haben die Künstler eine dialogische Gegenüberstellung gewählt, so dass sich immer zwei unterschiedliche Positionen in einem Raum begegnen. Auf diese Weise wird die Wichtigkeit des sozialen Zusammenhalts einer Stipendiatengeneration in einem Künstlerhaus betont, aus dem heraus sich im regen Kontakt untereinander neue künstlerische Ideen entwickeln können. Durch die künstlerische Beschäftigung mit Balmoral und der Stadt Bad Ems entstehen immer wieder Kunstwerke, deren Schaffung sich auf vorgefundene Motive und räumliche Situationen gründet.

Quer über die Wand, die Fenster und die Decke erstrecken sich die Ornamente, die Jáchym Fleig unter Bezugnahme auf das Motiv des Sterns im Steinfußboden und auf den Deckenstuck des Künstlerhauses entworfen hat. Die „Mitläufer“ getaufte Arbeit wurde speziell für das Foyer des Künstlerhauses entwickelt. Sie erzeugt eine Spannung zwischen dem Vorhaben, einen Raum zu dekorieren, und der Irritation, die die asymmetrische Setzung der Objekte in ihm hervorrufen.

Laura Bruce präsentiert eine Serie großformatiger Grafitzeichnungen, die die Natur in und um Bad Ems thematisieren. Neue Wege schlägt die Künstlerin mit ihren geschnitzten und ansonsten naturbelassenen Holzskulpturen ein: Sie greifen, auf einer ovalen Platte stehend, die gezeichneten Landschaften auf und entführen in eine poetische Miniaturlandschaft, die die Sehgewohnheiten der Betrachter auf den Prüfstand stellt und Unerwartetes bereithält.

Skulptural arbeitet auch Lieke Snellen, die das Angebot der Bad Emser Firma Baukeramik Ebinger genutzt hat, mit dem Werkstoff Keramik zu arbeiten. Übermannshohe Modelle von Architekturen, die aus Alltagsobjekten wie Jalousien gebildet sind, sowie Objekte an Wänden und Decken schaffen eine urbane Umgebung, in der die Bezüge zwischen Objekt, Körper und Raum aus verschiedenen Richtungen beleuchtet werden.

Die Werke von Brigitte Mahlknecht bewegen sich im Spannungsfeld zwischen Malerei und Zeichnung: Großformatige Zeichnungen führt sie auf Leinwand aus, einem Bildträger, der traditionell der Ölmalerei vorbehalten ist. Inspiriert von kultivierter Naturlandschaft und dem urbanen Raum entwickelt sie abstrakte modulare Formen, die sich zu Systemkomplexen und -gefügen verbinden. Als mögliche Teile eines Sozialsystems ist auch die Skulptur eines technoiden Insektes zu lesen, das die zweidimensionalen Arbeiten räumlich weiterführt.

Der Hauptwerkstoff von Frédéric Sanchez sind Leinwände und ihre Rahmung. Er lässt die vorgegebenen Formen der Rahmen hinter sich, indem er sie aufbricht und diese selbst zu Objekten werden lässt. Zu Mosaikbruchstücken fragmentiert und an der Wand positioniert, entwickeln sich raumdefinierende und raumgreifende Installationen, die Anklänge an dekorative Keramikfliesen enthalten. Hier zeigt sich nochmals die Bedeutung der Zusammenarbeit mit der Baukeramik Ebinger, von der Sanchez ebenfalls künstlerisch profitierte.

Jane Cheadle erstellt aufwändige Zeitraffer-Videos: Jedem ihrer Filme liegt ein narrativer Strang zugrunde, dessen Handlung in einem einzigen Raum abläuft. Ähnlich wie Knetfilme entwickeln sich Szenarien, in denen nicht nur Wände, Böden und Decken mit Zeichnungen und Malereien versehen werden, sondern auch diese selbst als Gestaltungsmittel Verwendung finden. Die Grenze zwischen Darstellungsmittel und Darstellungsobjekt verwischt. In Bad Ems hat sie, ausgehend von dem Thema „Wasser“, eine neue Arbeit entwickelt.

Björn Franke bezeichnet sich selbst als Designer. Im Rahmen seiner Dissertation setzt er sich mit der „Technologie des Selbst“ auseinander. Seine Arbeiten kreisen um das Verhältnis von Mensch und Technik und untersuchen das beiderseitige Bestimmungsverhältnis unter philosophischen Aspekten. Dabei interessiert ihn besonders, welche Rolle Design in der „nach-menschlichen“ (post human) Zukunft spielen wird. In Balmoral wird er anhand von Postern erste Antwortmöglichkeiten liefern.

Die Kuratorin Christina Nägele untersucht Spuren im Gedächtnis der Bad Emser Bürgerinnen und Bürger, die die vielen im öffentlichen Raum präsentierten Arbeiten der bisherigen Balmoral Stipendiaten hinterlassen haben. Des Weiteren hat sie zusammen mit Studentinnen der Universität Koblenz Workshops für Schulen entwickelt, die die Aktivitäten des Künstlerhauses mit der Bad Emser Bevölkerung verbinden. Beteiligt sind die 4. und 5. sowie die 7. und 8. Klasse der Adolf-Reichwein-Sonderschule, die 4. Klasse der Ernst-Born-Schule und die 8. und die 11. Klasse des Goethe-Gymnasiums.

Weitere Informationen über die Stipendiatinnen und Stipendiaten erhalten Sie über www.balmoral.de

Die Ausstellung ist vom 3. bis 11. Oktober zu besichtigen.

Öffnungszeiten: Samstags, sonntags und feiertags von 14 bis 18 Uhr, werktags nach Vereinbarung.


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Vortragsreihe "Nichts zeigen" 3.12. und 10.12.2009
TrAIN to Bad Ems in Berlin 25.09.2009